In Hamburg gibt es ein allgemein bekanntes Problem: viel zu wenig verfügbare Wohnungen. Es werden jährlich etwa 5.000 Wohnungen zu wenig gebaut, das führt dazu, dass die Wohnungsnot in Hamburg immer mehr zunimmt und das, obwohl auch in den schönsten Stadtteilen von Hamburg jede Menge Wohnraum einfach leer steht. Bis zum Jahre 20130 sollen sogar geschätzte 90.000 Wohnungen in Hamburg fehlen, das ergab eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Ein Beispiel für Leerstand ist die bekannte Rote Flora, die an der Kreuzung zur Juliusstraße im Schanzenviertel steht. Im Erdgeschoss befinden sich eine Pizzeria und eine Bar. In der roten Flora sind seit etwa acht Jahren drei der vier Wohnungen unbewohnt. Diese eine Wohnung wird schon seit 30 Jahren von einer Mieterin, die sich reihenweise gegen Kündigungen und Räumungsklagen gewehrt hat, bewohnt. In den letzten Jahren wurde das Haus zweimal „besetzt“, wurde aber von der Polizei wieder geräumt. Im Allgemeinen gibt es immer wieder jede Menge Aufregung um den Leerstand, sei es in Form von Protesten oder auch Prozessen wegen Hausfriedensbruch. Dabei wollen die Menschen nur eines: einen Wohnraum. Die Gründe der Vermieter, die im Schanzenviertel auch viele andere Wohnungen leer stehen lassen, sind allerdings schleierhaft.

Ein Grund für längeren Leerstand ist, dass einigen Vermietern das Geld für notwendige Sanierungsarbeiten fehlt, häufig ist es aber so, dass es darum geht die höchstmögliche Rendite herauszuholen. Denn wenn leere Wohnungen als Eigentumswohnungen verkauft werden, bringt das wesentlich mehr Geld ein, als Mietwohnungen, bei denen man sich eventuell auch noch mit den Problemen und Wünschen der Mieter befassen muss. Momentan stehen in Hamburg 2.327 Wohneinheiten leer, entweder in privater oder aus städtischer Hand.

Der Leerstand ist ein wichtiges Thema für viele Bürger Hamburgs. Deshalb hat der Aufsichtsratsvorsitzende der Gängeviertel-Genossenschaft, Michael Ziehl, den Hamburger Leerstandsmelder mitbegründet. Dies ist eine Datenbank im Netz, in die Bürger Leerstände eintragen können. Bisher werden über 800 Leerstände in Hamburg angezeigt, die entweder ganz oder zumindest teilweise leer stehen. Darunter fallen auch Institutionen wie Schulen oder Altenheime. Klickt man auf das Symbol, welches einen Leerstand anzeigt kann man weitere Informationen in Erfahrung bringen, dazu gehören die genaue Adresse, wie lange das Gebäude schon leer steht, wer der Eigentümer ist und ob es bisher Abriss-Gerüchte gibt.

Inzwischen beherbergt der Leerstandsmelder Einträge von Leerständen in vielen anderen Städten, wie zum Beispiel Stuttgart, Bremen und Dortmund. Wer einen näheren Blick auf die Website werfen möchte findet diese unter leerstandsmelder.de.