Seit Monaten spitzt sich die Flüchtlingsproblematik in Europa zu. Menschen, die nicht mehr wissen wohin mit sich und ihrer Familie, das zu Hause zerbombt, Besitztümer verbrannt oder verschüttet, versuchen sich ein neues Leben in einem neuen Land aufzubauen. Gerade Hamburg ist weit vorn in der Aufnahme und Hilfe von Flüchtlingen. Sie werden in Wohnungen, Wohncontainern, Zelten, Pavillonhäusern und teils auch in festen Wohnhäusern untergebracht, um ihnen eine feste Unterkunft zu bieten. In den Messehallen sammelt die Kleiderkammer tausende Sachspenden und packt jeden Tag etliche Hilfspakete. Dabei wird das Ganze nur von ehrenamtlichen Helfern betrieben. Erst kürzlich musste ein zeitweiliger Spendenstopp erlassen werden, da die Helfer gar nicht mehr mit dem Packen nachkamen.

Senioren und Flüchtlinge

Am zweiten Septemberwochenende war der „Tag der Patrioten“-Marsch, also ein Aufmarsch der Neonazis angekündigt, wurde jedoch gerichtlich verboten, da mit Gegengewalt zu rechnen war. Die bis dato angemeldeten Gegendemonstrationen durften dennoch stattfinden. Unter dem Motto „Hamburg ist bunt“ wurde am Rathausmarkt friedlich demonstriert, bunte Luftballons wurden hochgehalten, alle Altersklassen waren anwesend, von Kind über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen mit Familie und samt Hund. Eine zweite Gegendemonstration stand unter dem Motto „Menschenrechte statt rechte Mensch“, auch wenn diese nicht ganz so friedlich verlief und zeitweilig den Bahnverkehr am Hauptbahnhof lahm legte. Doch all dies, setzt ein deutliches Zeichen: die Hamburger Bürger wollen helfen und dies zieht sich durch alle Altersklassen.
Die Flüchtlinge brauchen nicht nur Sachspenden, sondern sollen auch in die Hamburger Gesellschaft integriert werden, dafür werden oftmals allerlei an Zusammenkünften veranstaltet, beispielsweise Treffen für einen offenen Dialog und um die Sprache zu üben. Im August besuchten Flüchtlingskinder Demenzkranke in einer Hamburger Einrichtung im Stadtteil Barmbek, dies wurde von dem Verein „eben im Leben“ initiiert. Unterstützt wurde das Projekt auch von der Gesundheitsbehörde. Die Kinder kamen aus der Wohnunterkunft Jugendpark, welches sich in Hamburg-Langenhorn befindet und waren zwischen drei und dreizehn Jahren alt. Sie kommen aus allen Teilen der Welt und leben teils schon seit ein paar Jahren in Hamburg. Es wurde zusammen, gegessen, gespielt und gesungen. Diese Begegnung gibt beiden Seiten enorm viel. Ein Mädchen möchte sich gar nicht loslösen und lieber länger bleiben, eine ältere Dame sitzt zufrieden summend in ihrem Stuhl. Beide Seiten haben ein Lächeln im Gesicht. Für die Senioren sind die Kinder teilweise ein Enkelersatz und auch die Kinder, die ihre Großeltern seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben, können hier nicht nur ein Verständnis für Demenz, sondern auch Zugehörigkeit entwickeln. Egal ob „Mensch ärgere dich nicht“ oder gemeinsames Singen und Lachen im Musikraum- hier geschieht etwas sehr wichtiges: Sprache und Herkunft, alle Hürden werden unwichtig, Vorurteile werden abgebaut, die Menschen sind glücklich.
Die Initiatoren hoffen, dass die Idee von anderen Pflegeeinrichtungen aufgegriffen und sich weiter verbreiten wird.

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